Ökologisch, nachhaltig produziert

Mit meinem Naturfotografiebuch möchte ich meinen Beitrag zum Umwelt-, Klima- und Tierschutz leisten. Nach langen Recherchen zu regionalen Medienunternehmen die mein Buch auf nachhaltige, faire und innovative Weise herstellen sollten, habe ich nach vielen scheinbar unüberwindbaren Hürden und Problemen beschlossen, das traditionelle Buchbinderhandwerk zu lernen und mein Buch komplett selber herzustellen.

Im gesamten Workflow habe ich darauf geachtet, dass möglichst keine oder nur ganz wenige Kunststoffmaterialien eingesetzt werden – dass betrifft sowohl Materialien als auch Buchbindermaschinen. So bekommt mein Buch keine umweltschädliche Folienverpackung. Die Fadenheftung wird nicht aus Plastik sein. Das Buchcover wird nicht foliert und der Titel umweltschonend geprägt.

Eines der größten Probleme der heutigen Buchproduktion ist, dass diese wenig umweltfreundlich ist. Die übliche Verfahrensweise in China zu drucken, in Polen zu binden und in Spanien veredeln zu lassen, ist für mich nicht zukunftsweisend!

Das fängt beim Papier an. Fast jeder zweite industriell gefällte Baum weltweit wird zu Papier verarbeitet. Das Traurige dabei ist, dass man beim Kauf eines Papierproduktes nicht automatisch sicher sein kann, dass dabei illegaler Holzeinschlag und Raubbau ausgeschlossen sind. Auch Papiere aus nachhaltiger Forstwirtschaft und FSC-Papiere sind davon betroffen. Das Papierproblem geht soweit, dass Recyclingpapiere aufgrund hoher Nachfrage, aus Frischfaserpapieren hergestellt und sozusagen „gefaked“ werden.

Aus diesem Grund habe ich mich für Graspapier entschieden, dass zu 40% aus Grasfasern (dessen Rohstoff von heimischen Wiesen gewonnen wird) und zu 60% aus Holzfrischfasern besteht und in Deutschland produziert wird. Graspapier wird umweltschonend ohne den Einsatz chemischer Zusatzstoffe und Wasser rein mechanisch aufbereitet. Es enthält keine unerwünschten allergene oder dermatologische Nebenwirkungen.

Der Druck:

Druckfarben im Offsetdruck bestehen aus Pigmenten, Harzen, Mineralölen und Additiven. Mineralöle sind zwar günstig, werden jedoch aus Erdöl destilliert und das hat wiederum einen negativen Einfluss auf Mensch und Natur.  Der Gebrauch von Chemikalien und Lösungsmitteln lässt sich beim Druckprozess zum heutigen Stand leider noch nicht gänzlich vermeiden, dennoch ist es mein Anspruch, den Einsatz so gering als möglich zu halten.

Aus diesem Grund habe ich mich entschieden, mein Buch mit einer Digitallaserdruckmaschine von Xerox selbst zu drucken. So wird das Buch erst gedruckt, wenn es bestellt wird. Es werden keine hundert Bücher auf Vorrat gedruckt, um sie nicht später makulieren und thermisch verwerten zu müssen. Es wird so nur das gedruckt was gebraucht wird, um Resourcenschonend zu arbeiten. Ich hätte das Buch natürlich lieber mit Biofarben im Offsetdruck realisiert, doch das ist aktuell unter Corona vor allem unter dem Aspekt einer Kleinstauflage finanziell nicht machbar.

Die Buchbinderei:

Fadenheftungen und Lesebändchen werden heute meistens aus Kunststoff hergestellt und Buchcover „veredelt“ man vielfach mit Lacken und Folien. Auch hier steht also das Thema Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit eher hinten an, so sind einige Bestandteile eines solchen herkömmlich produzierten Buches sogar ein Fall für den Sondermüll.

Mein Naturfotografiebuch möchte ich so umweltfreundlich wie möglich produzieren. Daher bin ich aktuell dabei, in der örtlichen Schaubuchbinderei das traditionelle Buchbinderhandwerk zu lernen. So spare ich nicht nur lange Produktionswege, sondern kann selber darauf achten, wo Kunststoffe oder Chemie zum Einsatz kommt.

Bis auf den Digitallaserdruck kann ich ausschließlich kunststofffreie Materialien einsetzten.

Meine vom örtlichen Schreiner gebaute Buchbinder-Stanzwiege. Mit der Ahle stanze ich Löcher in den Papierrücken.

Das Buchcover besteht aus Graupappe und zwei in Deutschland produzierten Papierarten:
Zum einen das Gmund f.color natur (FSC Mix 70 %, DNV-COC-000795) bestehend aus FSC-zertifizierter Frischfaserzellstoff, pH-neutral, säurefrei und recyclingfähig.
Zum anderen das Creapaper Graspapier (FSCM CTUVDC-COC-101041 als FSC Mix Credit zertifiziert) das zu 40% aus Graspapier und 60% Holzfrischfasern besteht.

Der offene Rücken im Detail: Verbunden sind die Koptische, Japanische- und die Langstichbindung

Der Buchbinderzwirn: Das Buch wird mit naturfarbenen Bio-Baumwollgarn (Oeko-Tex® Standard 100 zertifiziert, 100% Baumwolle) gebunden, dass in Deutschland mit einer traditionellen Zwirnerei produziert wird und selbst Papphülse und Banderole bestehen aus 100% Recyclingpapier bzw. ungeblichenem Kraftpapier.

Ein Bild aus dem Bienengarten meiner Bienenpatin, die sich sehr für die Wesensgemäße Bienenhaltung engagiert.

Das Buchbindergarn wird zur besseren Verarbeitung mit Bienenwachs aus der Wesensgemäßen Bienenhaltung meiner Bienenpatin gewachst.

Der Leim: Zuletzt kommt Leim zum Einsatz, nämlich wenn der Buchdeckel kaschiert und das Vorsatzpapier am Buchdeckel befestigt wird. Hier verwende ich einen veganen Leim aus Maisstärke von der Firma Möko aus Leipzig.

Das Buchcover wird nicht gedruckt, sondern mit einer um 1900 gebauten Prägemaschine wird der Titel umweltschonend blind und ohne Heißfolie geprägt. Der Prägestempel besteht aus Messing und wird in Leipzig in einer seit 1880 bestehenden Gravuranstalt für mich hergestellt.

Die Maschinen:

In der Schaubuchbinderei arbeite ich mit sehr alten Buchbindermaschinen. Zum Teil wie die Pappschere arbeiten diese ohne Strom. Maschinen wie die Papierbohrmaschine habe ich gebraucht aus den 1950er Jahren gekauft oder wie bei dem gebrauchten Handhebelmesser darauf geachtet, dass Messer ausbaufähig und nachschleifbar sind.  Aus einer Betriebsauflösung konnte ich sehr alte, vor allem kunststofffreie Buchbindergeräte wie Scheren, Buchpresse usw. erstehen. Für die Koptische Bindung habe ich in der örtlichen Schreinerei aus Eiche mir eine Buchbinderwiege bauen lassen, um dort mit der Ahle und einem eigens aus Metall angefertigten Buchbinderlineal die Löcher für die Bindung zu fertigen.

Meine Qualifikation

Neben der Ausbildung in der Schaubuchbinderei habe ich diverse Onlinekurse belegt, um die älteste Buchbindung der Welt, die der Koptischen Bindung zu lernen. Da der Inhalt des Buches immer wieder Bezug auf die japanische Kunst und Ästhetik nimmt, kombiniere ich die Koptische Buchbindung mit der japanischen Bindung als auch mit der Langstichbindung. Zum einen um mehr Stabilität und Langlebigkeit bei der Benutzung zu erreichen als auch das Buch optisch zu einem handgebundenen Kunstwerk hervorzuheben.

Bei allen wichtigen Umweltschutzgedanken ist die äußere und innere Ästhetik des Buches mir die genauso wichtig.

Ich möchte mit meinem Workflow, dass umweltverträglich produzierte Bücher eine besondere Ästhetik haben und das Naturfotografie auch Umweltschutz bedeutet. Das eine bedingt das andere und findet sich schließlich in einem Kreislauf wieder zusammen.

Mein Musterbuch

Hier siehst du mein Musterbuch, bestehend aus Graspapier, Bio-Buchbinderzwirn und Maisstärke-Buchbinderleim.